Jetzt gerät auch Saudi-Arabien in den Kriegsstrudel


Saudi-Arabien galt als Notfallplan, falls die Straße von Hormus dichtmacht, doch ausgerechnet dort schlagen inzwischen Drohnen ein.

  • Die USA ziehen nicht benötigtes Regierungspersonal aus Saudi-Arabien ab
  • Tankerfracht vom Golf nach Asien kostet über das Fünffache des Vorkriegsstands
  • Die globalen Ölströme verlagern sich zunehmend in die westliche Hemisphäre

Die Angst vor einer Ausweitung des Kriegs mit dem Iran auf Saudi-Arabien treibt die Ölpreise immer näher an ihre Jahreshochs. Nachdem Washington den Teilabzug von US-Regierungspersonal aus dem Königreich angeordnet hatte, zog die Nordseesorte Brent kräftig an und zeigte sich zuletzt bei 116,72 US-Dollar, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zuletzt bei 103,27 US-Dollar gehandelt wurde. Zum Vergleich: Ihre höchsten Schlusskurse des Jahres markierten Brent mit 118,35 US-Dollar Ende März 2026 und WTI mit 112,95 US-Dollar am 7. April.

Saudi-Arabien wird vom Plan B zum Risiko

Auslöser des Anstiegs ist eine Serie von Drohnenangriffen der vom Iran unterstützten Huthis auf saudische Ölfelder und Flughäfen. Das US-Außenministerium ordnete daraufhin die Ausreise von nicht benötigtem Personal und dessen Familien an. Ein Sprecher betonte gegenüber MarketWatch, die Anordnung gelte nur für Saudi-Arabien, warnte aber zugleich, die Feindseligkeiten könnten rasch eskalieren, auch über die unmittelbare Region hinaus. Wie Reuters berichtete, ließ Aramco am Donnerstag zudem seine Konzernzentrale in Dhahran am Persischen Golf räumen.

Wie schwer der Schritt wiegt, ist umstritten. Matt McManus von der Denkfabrik National Center for Energy Analytics nannte solche Evakuierungen gegenüber MarketWatch eher Routine, die stärker von der Sicherheitslage als von Politik getrieben sei. Zugleich sende sie das Signal, dass Infrastruktur vor Ort gefährdet sei, was angesichts der saudischen Fördermenge Folgen für den gesamten Markt habe. Deutlicher wurde William Stern, Gründer und Chef des Kreditgebers Cardiff: Saudi-Arabien sei als Rückfalloption gedacht gewesen, falls es an der Straße von Hormus ernst werde. Nun mache man sich echte Sorgen um diesen Plan B.

Ölpreis widerspricht Trumps Versprechen

US-Präsident Donald Trump hat mehrfach angekündigt, die Ölpreise würden unmittelbar nach den Zwischenwahlen am 3. November fallen. Der Markt preist etwas anderes ein. Stern zufolge bewerten Händler Brent inzwischen so, als werde der Krieg über die Wahlen hinaus andauern. In dieselbe Richtung argumentierten die Analysten von ING am Freitag: Eine erneute Eskalation am Golf sei der wahrscheinlichste Pfad, und selbst ohne sie dürfte allein die Möglichkeit eine beträchtliche geopolitische Risikoprämie im Preis halten. Die offizielle Lesart einer raschen Entspannung findet an den Terminmärkten damit kaum Rückhalt.

Frachtraten werden zum zweiten Preistreiber

Dabei erfasst der Blick auf Brent und WTI nur einen Teil der Belastung. Nach Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) kletterten die Tankerraten im September 2026 auf historische Höchststände. Bis Mitte Oktober verteuerte sich der Transport eines Barrels Rohöl vom Golf nach Asien auf einem Großtanker auf mehr als 37 US-Dollar, mehr als das Fünffache des Niveaus vor Kriegsbeginn Ende Februar. Stephen Innes von SPI Asset Management beschreibt in seinem Newsletter die Wende: Über ein Jahrzehnt sei die Fracht im Ölgeschäft eine Nebenfigur gewesen, inzwischen seien die Transportkosten fast so wichtig wie der Preis der Ware selbst. Für Raffinerien in Asien liegt die tatsächliche Rechnung damit spürbar über dem Börsenpreis.

Die Ölströme wandern nach Westen

McManus sieht darin den Beginn eines längeren, strukturellen Wandels in der Verteilung des globalen Öls. Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien bauen nach seinen Worten Routen und Lager außerhalb der Golfregion aus. Gleichzeitig verschiebt die Rekordförderung in den USA, Kanada, Brasilien und Guyana den Schwerpunkt des Energiemarkts zunehmend in die westliche Hemisphäre.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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