NVIDIA-Aktie schlägt Tesla-Aktie – Microsoft, Palantir & Co: Die wichtigsten US-Technologiewerte von Dan Ives für 2027


Rund vier Billionen US-Dollar sieht Dan Ives in den KI-Ausbau fließen, und doch entscheidet nach seiner These nicht die Nachfrage darüber, wer 2027 vorne liegt.

  • Dan Ives setzt NVIDIA an die Spitze seiner fünf Technologiefavoriten für 2027
  • Nach seiner These bestimmt knappes Angebot, nicht die Nachfrage, den KI-Zyklus
  • Hohe Erwartungen und Ives’ Nähe zu eigenen KI-Fonds mahnen zur Vorsicht

Dan Ives hat seine fünf wichtigsten Technologiewerte für 2027 benannt und stellt NVIDIA an die Spitze, gefolgt von Microsoft, Palantir, Apple und CrowdStrike. Für Anleger ist dabei weniger die Auswahl selbst bemerkenswert als die These, auf der sie ruht: Der langjährige Technologieoptimist, inzwischen Partner und Senior Managing Director der Handelsbank Yorkville Ives, hält den KI-Ausbau für deutlich größer, als Investoren ihn einschätzen, und sieht ihn erst in der Frühphase.

Vier Billionen US-Dollar und ein Engpass auf der Angebotsseite

In einem kurzen Beitrag auf der Plattform X schrieb Ives Anfang Oktober, Investoren unterschätzten Ausmaß und Reichweite einer Ausgabenwelle von vier Billionen US-Dollar in den kommenden Jahren.

In der begleitenden Studie setzt sein Team den Akzent, wie aus einem Bericht von MarketWatch hervorgeht, auf die Angebotsseite. Nicht die Nachfrage, sondern das Angebot bestimme diese Phase der KI-Revolution. Die Infrastrukturebene bleibe mindestens bis 2027 knapp, Wachstum verbuchten derzeit vor allem Unternehmen, die über rare Rechenleistung, Speicher und Energie verfügen. Man befinde sich in der Frühphase dieses Ausbaus und sei für die Gewinner der Branche in den kommenden Jahren sehr zuversichtlich, schreibt das Team um Ives.

Warum die NVIDIA-Aktie die Liste anführt

Entlang der Wertschöpfungskette gelesen, liefert NVIDIA die Rechenleistung, Microsoft Cloud und Unternehmenssoftware, Palantir die Anwendung im Betrieb, Apple den Zugang zum Endkunden und CrowdStrike die Absicherung. Laut Studie hat sich Unternehmenssoftware erholt, Cybersicherheit werde einen wachsenden Anteil der IT-Budgets beanspruchen, und physische KI sei die jüngste Front. Aufschlussreich ist der Tausch an der Spitze. In seiner Liste für 2026, die Ives Ende 2025 noch für Wedbush Securities aufgestellt hatte, stand Tesla unter den fünf Favoriten, NVIDIA dagegen nicht. Nun steht der Chipkonzern auf Platz eins, Tesla führt Ives auf X nur noch als liebste disruptive Technologiewette außerhalb der fünf. Der Wechsel passt zur Angebotsthese: Wer knappe Rechenkapazität für den Engpass hält, setzt zuerst auf deren Lieferanten.

Durchweg Outperform: Was Ives den Aktien zutraut

Insgesamt hat das Team um Ives Anfang Oktober die Bewertung von 49 Technologiewerten aufgenommen, die großen Namen durchweg mit der Einstufung “Outperform”. Für NVIDIA setzt Ives gemäß MarketWatch ein Kursziel von 300 US-Dollar. Microsoft traut er 615 US-Dollar zu, Apple ebenso wie Alphabet 400 US-Dollar, CrowdStrike 335 US-Dollar. Auch außerhalb der Top fünf zeigt sich das Muster: Amazon erhält ein Ziel von 300 US-Dollar, Tesla von 500 US-Dollar und SpaceX von 225 US-Dollar. Die meisten dieser Werte hatte Ives bereits in seinen acht Jahren als globaler Leiter der Technologieanalyse bei Wedbush empfohlen. Der Neustart unter eigenem Namen ist also eher Bestätigung als Kurswechsel.

Wo die These verwundbar ist und worauf Anleger achten sollten

Die Angebotsthese hat eine Kehrseite. Wer auf anhaltende Knappheit setzt, setzt implizit darauf, dass die großen Cloudanbieter ihre Investitionsbudgets mindestens bis 2027 hoch halten. Kehrt dort Ausgabendisziplin ein, träfe das die These an ihrer Wurzel, und die Reihenfolge der Liste würde wichtiger als die Tatsache, dass Ives alle fünf Werte mag. Hinzu kommen die hohen Erwartungen, die in den Kursen der KI-Profiteure bereits stecken: Schon ein Quartal mit schwächeren Investitionssignalen kann die Bewertungen empfindlich treffen.

Ein zweiter Punkt betrifft den Absender. Yorkville Ives ist nicht nur Researchhaus, sondern begleitet laut einer Mitteilung vom Mitte Juli auch Kapitalaufnahmen, Übernahmen und den institutionellen Handel. Im September brachte Ives zudem den geschlossenen Fonds Ives Ultra AI Opportunities an den Markt, der in späte Finanzierungsrunden privater KI-Unternehmen investiert, und zwei börsengehandelte Fonds tragen seinen Namen. Für die Einordnung seiner Empfehlungen ist diese Nähe zum eigenen Geschäft ein relevanter Faktor.

Für Anleger lässt sich die Liste deshalb weniger als Paket lesen denn als Abstufung nach der Abhängigkeit vom Engpass. NVIDIA hängt am direktesten an der Frage, ob die Knappheit anhält. Microsoft, Palantir und CrowdStrike profitieren nach der Logik der Studie stärker von der Verschiebung der Budgets hin zu Unternehmenssoftware und Sicherheit, Apple vom Geschäft mit dem Endkunden. Zugleich speisen sich alle fünf aus derselben Investitionswelle. Wer mehrere dieser Titel hält, streut das Risiko daher weniger breit, als die Zahl der Positionen vermuten lässt.

Ives’ Kursziele sind zudem die Einschätzung eines bekennenden Optimisten. Sie müssen sich am breiteren Analystenbild und an den Zahlen der Unternehmen messen lassen. Seine Angebotsthese liefert dafür einen klaren Prüfstein: Entscheidend ist nicht, ob die Nachfrage nach KI hoch bleibt, sondern ob die Engpässe bei Rechenleistung, Speicher und Energie tatsächlich bis 2027 bestehen. Lösen sie sich früher auf, verschiebt sich das Argument von den Lieferanten der Knappheit zu den Unternehmen, die KI im Alltag einsetzen.

Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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