Optionshändler setzen auf steigende Volatilität beim VIX


Wochenlang schlief der Angstindex VIX, doch nun gehen Optionshändler mit Millionenwetten in Stellung, und ein Mechanismus am Terminmarkt könnte den nächsten Ausschlag noch verstärken.

  • Optionshändler setzen verstärkt auf einen Anstieg des Angstindex VIX
  • Ein Mechanismus am Terminmarkt könnte den nächsten VIX-Sprung verstärken
  • Sorgen um Finanzierung des KI-Ausbaus treiben die Absicherungswetten

Der Ausverkauf bei KI-Werten Mitte Oktober 2026 hat am Optionsmarkt deutliche Spuren hinterlassen: Anleger bauen gezielt Positionen auf, die von einem kräftigen Anstieg des VIX profitieren. Sie setzen darauf, dass die Unruhe bei Technologiewerten früher oder später auf den breiten Markt übergreift, und verraten damit, dass viele Profis der Ruhe bei den Indizes nicht mehr trauen.

Ruhige Indizes, nervöse Einzelwerte

Bis zur Monatsmitte wirkte der Markt fast gespenstisch ruhig. Der S&P 500 kam 53 Handelstage in Folge ohne Tagesverlust von einem Prozent aus, die längste Serie seit Januar 2020. Unter der Oberfläche brodelte es dagegen: Hohe Renditen von US-Staatsanleihen sorgten vor allem bei Betreibern von KI-Infrastruktur für kräftige Schwankungen. Bloomberg verweist zudem auf die hartnäckig hohen Preise für Treibstoff und Lebensmittel, die durch die Kriege in Iran und der Ukraine getrieben werden und den Druck auf die Fed erhöhen, die Zinsen anzuheben. Am 16. Oktober entlud sich die Spannung in einem deutlichen Rücksetzer des Leitindex, während der VIX im Handelsverlauf erstmals seit vier Monaten über 22 Punkte sprang. In der vergangenen Woche gab es erneut einen klaren Rücksetzer, während der VIX anstieg.

Wetten auf den Angstindex werden größer

Strategen der Bank of America schrieben im Oktober 2026, Kunden hätten ihre Kaufoptionen auf den VIX kräftig aufgestockt, das Niveau nähere sich bereits den Werten aus dem Sommer 2024. Wie entschlossen manche Marktteilnehmer vorgehen, zeigte der 16. Oktober: Ein Händler erwarb Kaufoptionen auf den VIX mit Fälligkeit am 18. November und Basispreisen von 20 und 23 Punkten für rund 1,7 beziehungsweise 1,1 Millionen US-Dollar. Er setzt damit darauf, dass der Index bis dahin über 23 Punkten schließt. Brent Kochuba, Gründer von SpotGamma, sagte gegenüber CNBC, Händler lösten offenbar ihre Positionen aus dem Oktober auf und sicherten sich nun gegen einen größeren Abschwung ab.

Warum ein VIX-Sprung sich selbst verstärken kann

Brisant ist die Kehrseite dieser Nachfrage. Haben Händlerbanken die Kaufoptionen verkauft, müssen sie bei steigendem VIX Terminkontrakte nachkaufen, um ihr Risiko neutral zu halten. Die Bank of America schätzt, dass ein plötzlicher Anstieg der kürzesten VIX-Futures um zehn Punkte die Händler zu Käufen im Umfang von rund 90 Prozent des täglichen Handelsvolumens zwingen könnte. Bloomberg sieht Hinweise, dass dieser Effekt bereits am 16. Oktober mitspielte: Der Sprung des VIX um rund sechs Punkte im Tagesverlauf fiel stärker aus, als es der Rückgang des S&P 500 hätte erwarten lassen.

Ein Selbstläufer ist die Wette dennoch nicht. Weil der VIX selbst lange kaum schwankte, wirkte das Halten solcher Optionen teuer, die Volatilität des Angstindex lag bis zum 16. Oktober nahe dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Zudem fallen Ausschläge oft kurz aus, und wie das Volmageddon 2018 zeigte, kann niedrige Volatilität sehr lange anhalten. Jeremy Wien, Managing Partner bei Moo Point Capital Management, zieht deshalb Verkaufsoptionen auf den S&P 500 vor, weil der VIX bei einem Ausverkauf nicht mehr so zuverlässig anspringe wie in früheren Zyklen.

Die KI-Finanzierung bleibt der wunde Punkt

Im Zentrum der Sorgen steht die Frage, wie der KI-Ausbau bezahlt wird. Aktien von CoreWeave und anderen Anbietern von KI-Infrastruktur gerieten unter Druck, weil der Markt die massive Kreditaufnahme der Branche kritisch sieht. Wie empfindlich Anleger reagieren, zeigte nach Einschätzung der Bank of America bereits der 8. Oktober, als die Futures auf den NASDAQ 100 nach schwächer als erwarteten Umsatzzahlen von OpenAI im Handelsverlauf deutlich nachgaben. Am 27. Oktober stockte Meta Platforms seine Kapitalerhöhung, die größte der Konzerngeschichte, auf 97,5 Milliarden US-Dollar auf, um den KI-Ausbau zu finanzieren.

Der nächste belastbare Datenpunkt ist der Verfall der Novemberoptionen auf den VIX am 18. November. Bis dahin muss sich zeigen, ob die Unruhe bei KI-Werten tatsächlich auf den breiten Markt überschwappt oder ob die Absicherungswetten von Mitte Oktober ins Leere laufen.

Julia Walter, Redaktion Finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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