Tokenisiertes Gold vor dem Durchbruch? World Gold Council sieht Milliardenmarkt | 30.10.26


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  • World Gold Council sieht für digitales Gold bis zu 700 Milliarden US-Dollar latente Nachfrage
  • Im Basisszenario wächst der Markt bis 2031 auf 160 bis 170 Milliarden US-Dollar
  • HSBC gewinnt mit Gold Token in Hongkong laut Bank viele Neukunden

Der World Gold Council (WGC) sieht in digitalem Gold eine neue Nachfragequelle von bis zu 700 Milliarden US-Dollar und nennt den Gold Token von HSBC als Beleg dafür, dass inzwischen auch etablierte Banken in den Markt drängen. Voll erschlossen wäre das Segment laut der am 19. Oktober veröffentlichten Studie in etwa so gross wie der heutige Markt für physisch besicherte ETFs auf Gold.

Digitales Gold ist noch eine Nische

Gemessen am Potenzial ist der Markt heute winzig. Tokenisiertes Gold und digitale Tresorgoldkonten kommen laut der WGC-Studie zusammen auf 45 bis 55 Milliarden US-Dollar, rund 0,4 Prozent des physischen Investmentgoldmarkts von etwa 13 Billionen US-Dollar und weniger als neun Prozent der 600 Milliarden US-Dollar in goldgedeckten ETFs. Die Dynamik liegt bei den Token: Ihr Volumen ist seit Ende 2024 von 1,2 auf 6 Milliarden US-Dollar gewachsen, angeführt von Tether Gold (XAUT) und Paxos Gold (PAXG), die zusammen mehr als 90 Prozent des öffentlichen Tokenmarkts abdecken. Allein im ersten Quartal 2026 wurden Goldtoken für über 90 Milliarden US-Dollar gehandelt, mehr als im gesamten Jahr 2025.

Neues Geld statt Umschichtung

Am Interesse mangelt es nicht. Fast neun von zehn der mehr als 12’000 vom WGC befragten Privatanleger würden unter den richtigen Bedingungen in digitales Gold investieren, und rund 65 Prozent der latenten Nachfrage stammen von Menschen, die bislang überhaupt kein Gold besitzen. Der WGC erwartet deshalb eher frisches Kapital als eine Abwanderung aus Barren, Münzen oder ETFs. Besonders ansprechbar sind Jüngere: In der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren kennt die Hälfte das Produkt, bei Anlegern ab 55 Jahren sind es nur 23 Prozent.

Dass daraus bislang kaum Käufe werden, führt der WGC auf vier Hürden zurück: Vertrauen in Anbieter und physische Deckung, Zugang über vertraute Kanäle, neue Nutzungsmöglichkeiten wie Erträge durch Verleihen oder Beleihen sowie wettbewerbsfähige Kosten. Wo digitales Gold wie in Indien, China und Indonesien in Superapps, Zahlungsplattformen und Bankapps eingebettet ist, liegt die Verbreitung bis zu siebenmal höher als anderswo. Fallen die Hürden, wächst der Markt im Basisszenario jährlich um rund 27 Prozent.

Wie solche neuen Nutzungsmöglichkeiten aussehen, zeigt bislang vor allem die Kryptowelt. Die Token PAXG und XAUT lassen sich auf der Kreditplattform Aave als Sicherheit hinterlegen, die allein mehr als die Hälfte der im dezentralen Finanzwesen eingesetzten Goldtoken verwahrt, so der WGC. Anfang 2026 stiess die Nachfrage nach Krediten gegen XAUT dort wiederholt an die Obergrenze der Plattform, im September begann mit Arch Lending ein weiterer Kryptokreditgeber, beide Token als Sicherheit zu akzeptieren. Zudem werden Goldtoken täglich etwa sechsmal so schnell umgeschlagen wie die grossen goldgedeckten ETFs, ein Hinweis darauf, dass Anleger damit aktiv handeln statt nur zu halten.

Was die HSBC-Aktie mit dem Goldtoken verbindet

Abseits der Kryptowelt kommen die Banken ins Spiel. Wie Kitco News berichtet, sagte James Willis, globaler Leiter des Edelmetallvertriebs bei HSBC, auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association im Oktober, der Gold Token in Hongkong habe der Bank viele Neukunden gebracht. Gefragt sei vor allem der einfache Kauf über die Bankapp. Der WGC hatte bereits im März 2026 gemeinsam mit der Boston Consulting Group das Konzept „Gold as a Service“ vorgestellt, eine gemeinsame Infrastruktur, die physische Verwahrung mit der digitalen Ausgabe verbindet und auf der Emittenten eigene Produkte aufbauen können.

Für einen Konzern von der Grösse HSBCs bleibt digitales Gold vorerst ein Randgeschäft. Interessant ist es dennoch, weil die befragten Anleger den Kauf am liebsten über ihre Bank abwickeln würden. Wer die Kundenbeziehung bereits besitzt, hat beim Ausbau einen strukturellen Vorsprung gegenüber reinen Kryptoanbietern.

Vertrauen bleibt das grösste Risiko

Die Hürden sind allerdings real. Mehr als 40 Prozent der Befragten geben an, dass ein grösserer Verwahrungsausfall, Betrug oder ein Hackerangriff ihr Vertrauen beschädigen würde. Die Regulierung ist vielerorts zersplittert, und die Rückgabe gegen physisches Metall ist oft nur an einem einzigen Ort weltweit oder erst ab einem Barren von 400 Unzen möglich. Bleiben die Barrieren bestehen, rechnet der WGC bis 2031 nur mit 70 bis 80 Milliarden US-Dollar Marktvolumen statt 270 bis 280 Milliarden im besten Fall. Zudem unterstellen alle Szenarien einen unveränderten Goldpreis.

Ob der Durchbruch gelingt, will der WGC an vier Signalen ablesen, die sich jeweils vor 2031 zeigen dürften: verbindliche Regeln und leichtere Rückgabe, grosse Banken, die digitales Gold in ihre Apps aufnehmen, neue Ertragsmodelle, die günstigere Preise erlauben, sowie Erträge und Beleihung, die den Sprung aus der Kryptonische zu regulierten Instituten schaffen. Zuerst achten will der WGC auf das Vertrauen. Entscheidend ist dabei, ob aus Konsultationen wie dem Aufruf der britischen Finanzaufsicht FCA zu tokenisiertem Gold und Hongkongs Plänen für goldgedeckte Token verbindliche Regeln werden und ob sich physisches Gold künftig an mehr Orten und in kleineren Mengen zurücktauschen lässt.

Martina Köhler, Redaktion Finanzen.ch

Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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