Druck aus China: Geraten die Aktien von Samsung und SK hynix ins Wanken? | 27.10.26


  • Gartner erwartet 2026 einen Speicherumsatz von 837 Milliarden US-Dollar
  • CXMT meldet Fortschritte bei dichteren Chips
  • Warnung vor einem Überangebot ab dem Jahr 2029

Chinas grösster Speicherhersteller rüttelt an der Erzählung vom endlosen Speicherboom, und die Aktien der südkoreanischen Speicherchipriesen Samsung Electronics und SK hynix geraten daraufhin im Oktober kräftig unter Druck. Auslöser sind Fortschritte des Herstellers CXMT bei einer neuen Chiparchitektur und ein Beitrag von Tesla-Chef Elon Musk zu Chinas Speicherplänen.

Wie nervös der Markt ist, beschrieb Vey-Sern Ling von der Schweizer Privatbank UBP gegenüber CNBC: Anleger suchten nach Anlässen, um Gewinne bei KI-Werten mitzunehmen, die 2026 besser gelaufen seien als der Markt, und das gelte besonders für Speicheraktien. Die Frage für Investoren lautet damit nicht, ob die Nachfrage heute stimmt, sondern wie lange die Preise halten.

Gartner sieht den Speichermarkt 2027 über einer Billion US-Dollar

Das Fundament des Booms ist beeindruckend. Das Marktforschungshaus Gartner erwartet laut einer Analyse für das laufende Jahr einen weltweiten Umsatz mit Speicherchips von rund 837 Milliarden US-Dollar, nach gut 220 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Der Anteil von Speichern an den gesamten Halbleiterumsätzen steigt damit von 27 auf 54 Prozent. Für 2027 rechnet Gartner mit knapp 1,08 Billionen US-Dollar und trotz neuer Kapazitäten weiterhin mit einem knappen Angebot.

Woher das Wachstum kommt, macht Gartner-Analyst Shrish Pant deutlich: Steigende Preise beschleunigten 2026 das Wachstum, über 2027 hinaus sollen der weitere Ausbau der KI-Infrastruktur, mehr Speicher pro KI-Server und die Nachfrage nach Hochleistungsspeicher (HBM) den Umsatz stützen. Wie stark der Preiseffekt wirkt, zeigen die Einzelsparten. Den Umsatz mit DRAM sieht Gartner 2026 um rund 247 Prozent wachsen, den mit NAND-Flash um rund 372 Prozent. Für Samsung und SK hynix heisst das: Ein grosser Teil des Wachstums hängt am Preiszyklus und nicht allein an zusätzlichen Stückzahlen.

CXMT rückt technologisch an Samsung und SK hynix heran

Genau dieser Zyklus gerät durch CXMT in den Fokus. Der Konzern kündigte vor Kurzem ein Server-Speicherprodukt auf Basis einer neuen Architektur an, die mehr Daten auf weniger Fläche unterbringt. Das weckte die Sorge, der chinesische Anbieter könne Samsung, SK hynix und Micron Technology Marktanteile abnehmen. Bereits im September hatte CXMT Produkte auf Basis seiner neu in Serie gefertigten fünften DRAM-Generation gezeigt. Offen ist vor allem, ob CXMT auch beim Hochleistungsspeicher HBM aufschliesst, dem Kernprodukt für KI-Rechenzentren.

Ob CXMT die neue Technik in grossem Stil fertigen kann, bezweifeln mehrere Analysten. Ben Barringer, Leiter der globalen Technologieanalyse beim Vermögensverwalter Quilter Cheviot, verwies gegenüber CNBC auf die Fertigungseffizienz: Liege sie nur bei 50 Prozent, lande die Hälfte der Chips im Müll. Kevin Cassidy von Rosenblatt Securities erwartet ohnehin nicht, dass die Entwicklungen bei CXMT das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschieben.

Warum die Samsung-Aktie am Speicherzyklus hängt

Einen weiteren Belastungsfaktor liefert eine Meinungskolumne der südkoreanischen Wirtschaftszeitung Maeil Business Newspaper. Darin fordert der Kolumnist die Regierung auf, sich auf ein Abflauen des KI-Booms vorzubereiten und den nächsten Wachstumsmotor aufzubauen. Er beruft sich auf Professor Hwang von der Seoul National University und Ahn Ki-hyun vom Branchenverband Korea Semiconductor Industry Association, die für 2029 eine Flut neuen Angebots erwarten. Tesla-Chef Elon Musk reagierte auf X auf einen entsprechenden Beitrag mit der Prognose, China werde 2028 sehr viel Arbeitsspeicher herstellen.

Daraus ergeben sich zwei konkrete Risiken für den Investmentfall. Erstens die Preisabhängigkeit: Weil neue Fabriken drei bis fünf Jahre bis zur Produktion brauchen, erwarten viele Analysten frühestens 2028 eine Entspannung der Knappheit. Counterpoint Research rechnet für dieses Jahr mit einem um rund 23 Prozent niedrigeren DRAM-Preis als 2027, der Preis läge damit aber noch rund 230 Prozent über dem Niveau von 2025. Einen milderen Abschwung als früher begründet Counterpoint-Analyst Jeongku Choi mit Lieferverträgen über drei bis fünf Jahre, die hohe Vorauszahlungen und feste Preisspannen vorsehen. Zweitens die Konzentration: Samsung Electronics und SK hynix stehen aktuell zusammen für knapp die Hälfte des Börsenwerts im Leitindex KOSPI, ein Rückschlag im Speicherzyklus träfe damit den gesamten südkoreanischen Aktienmarkt.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch

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